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KARRIEREHINDERNIS CHEF?

MEIN BRIEF AN ALLE – BEGRÜSSUNG ZUM NEUEN JAHR
31. Dezember 2017

Guten Tag liebe Leserin, lieber Leser,

Karrierhindernis Chef?

Du kannst Dich wehren

Wenn Du die ersten Führungsaufgaben übernommen hast, dann betrachtest Du jetzt Deinen Chef vielleicht als Deinen wichtigsten Partner und Förderer. Denn dies ist für Dich ein Einstieg in eine Entwicklung – und nicht etwa deren Ende! Du sammelst schnell und intensiv Erfahrungen, berätst Dich oft mit Deinem Vorgesetzten und eroberst Dir eine Position im Kreise Deiner Chef-Kollegen, besetzt also Deinen Platz in der Führungshierarchie. Das gelingt natürlich nur, wenn Dein unmittelbarer Vorgesetzter an Deinem Erfolg interessiert ist und Dich entsprechend unterstützt.

 

Klar, Vorgesetzte sollen nicht nur fordern, sie sollen auch fördern.

Sie sollen…

Wollen sie auch? Du kannst Dich in Deinem Umfeld umschauen und wirst bestimmt gute Führungskräfte finden, die das tun. Sie denken darüber nach, was noch so in ihren Kollegen drin steckt und wie man es ans Licht holen kann. Sie glauben, dass die vielfältigen Begabungen, Talente, Interessen und Fähigkeiten jedes Menschen wertvoll sind und genutzt werden sollten. Und deshalb machen sie auch Vorschläge, in welche Richtung die Entwicklung gehen könnte, sie unterstützen die Aktivitäten zur Erweiterung von Potenzialen und manchmal machen sie sogar den eigenen Platz frei, um sich selbst auch weiter zu entwickeln – und geben damit einem anderen die Chance, diesen Job sogar noch besser zu machen, als sie es selbst getan haben.

Und was ist mit den anderen Führungskräften? Was treibt so manchen Chef, seine Kollegen eher am Vorwärtskommen zu hindern, als zu unterstützen? Warum greift mancher sogar zu Bossing, missbraucht also seine Führungsposition um andere in ihrer Entwicklung zu stören, ja sogar Karrieren zu vernichten?

Du denkst  jetzt vielleicht:

Das sind die Unfähigen, die Angst haben, dass ihre Unfähigkeit sichtbar wird. Oder auch: Die haben einfach einen schlechten Charakter und gönnen anderen nichts Gutes. Vielleicht kommt Dir auch der Gedanke, dass man als Führungskraft einfach gelernt hat, „seine Ellenbogen einzusetzen“ und das jetzt IMMER tut?

Mit einem Wort – Chef zu werden erfordert sowieso Rücksichtslosigkeit und Egoismus, deshalb können Führungskräfte gar nicht fair sein?

Falsch gedacht! Und wenn Du ehrlich zu Dir selber bist, dann weißt Du das auch. Du weißt, dass auch Chefs ganz normale Menschen sind wie Du und ich. Denn wir selbst sind ja auch nicht immer fair, können nicht jeden leiden und möchten nicht jedem helfen. Und wir wissen auch, dass nicht jeder Entwicklungswunsch in jede Umgebung passt.  Karrieren sind unter anderem auch aus diesem Grunde gar nicht überall möglich: was nicht gebraucht wird, wird auch nicht gefördert. Es ist also nicht immer Gemeinheit oder Unverständnis, wenn Chefs bestimmte Aufgaben oder Positionen nicht an diejenigen übertragen, die sich das am meisten wünschen. Im Gegenteil, das ist manches mal sogar Fürsorge. Wenn nämlich jemand nach einer Position strebt, für welche die Befähigung gar nicht vorhanden ist, dann schützt Chef den betreffenden vor dem Versagen und somit vor peinlichen oder gar teuren Niederlagen.

Ich meine also, dass es nicht immer Bossing ist, wenn die ersehnte „Beförderung“ ausbleibt. Schließlich wissen wir doch alle, dass mancher sich selbst gern überschätzt. Was ich mit Bossing gegen die Karriere meine, ist folgendes Führungsverhalten:

  • Zunächst wird eine Entwicklung gefordert. Es werden z.B. Weiterbildungs- Maßnahmen mit Dir vereinbart, deren erfolgreicher (!) Abschluss als Mindestvoraussetzung für weitere Karriereschritte definiert wird. Durchführung und Erfolg werden aufmerksam kontrolliert. Im Ergebnis wird festgestellt, dass der Erfolg noch nicht ganz ausreichend war und weitere Maßnahmen notwendig sind. Du hast noch Reserven!
  • Die nächsten „vereinbarten“ Maßnahmen sind jetzt schon eine Kombination aus mehr Belastung mit mehr Kontrolle. Dein Aufgabenbereich wird erweitert (um die praktischen Leistungen zu „verbessern“), die Bewertungsmaßstäbe werden verschärft und Deine Motivation wird immer kritischer beurteilt. Im Ergebnis wird scheinbar positives Feedback gegeben. Zum Beispiel wird Dir „eine gute Entwicklung“ bescheinigt oder ein „wichtiger Beitrag zur Teamleistung“ bestätigt. Die Aufforderung heißt direkt oder indirekt: Mach weiter so, aber streng Dich  noch ein bisschen mehr an, dann wird das schon noch mit der Karriere.
  • Weil also erste Fortschritte zu sehen sind, bekommt Du jetzt schwierigere Aufgaben zugeteilt, allerdings ohne darauf vorbereitet zu werden. Und ab hier wird es Bossing. Der Psychoterror beginnt ganz unauffällig. Du sollst zum Beispiel den Chef auf Meetings oder in Arbeitsgruppen vertreten – kennst aber weder dessen Aufgabe in diesem Zusammenhang, noch weißt Du, welche Position oder Meinung Chef hier vertritt/vertreten hat. Es bleibt also für Dein eigenes Verhalten nur die Wahl zwischen stummer Beobachterrolle mit anschließender Berichterstatter- Funktion oder ein Agieren nach eigener Auffassung: äußern der eigenen Meinung, nach bestem Wissen zum Thema beitragen, das Team und den Chef würdig vertreten. Beides kann schief gehen, weil beides natürlich nicht das ist, was Chef selbst getan hätte! Wahlweise kann sich so auch eine Vertretung anderer Kollegen oder die Urlaubsvertretung für den Chef abspielen: Du versuchst, in seinen Sinne zu handeln. Da Du aber unzureichend instruiert wurdest, bist Du Dir gar nicht sicher, was „in seinem Sinne“ ist. Es ist also egal, ob Du Dich zurückhältst oder aktiv auftrittst. Im Ergebnis gibt es oberflächlichen „Dank für den Einsatz“ und mehr oder weniger scharfe Kritik für das Ergebnis, in beiden Fällen!
  • Da Du aber immer noch Ehrgeiz zeigst und gern vorwärts kommen möchtest (obwohl Dein Chef schon etwas anderes beschlossen hat), bekommst Du jetzt noch mehr und schwierigere Aufgaben aus dringender betrieblicher Notwendigkeit oder aus Firmeninteresse bzw. Markterfordernis übertragen. Und weil Dein Chef nicht offen mit Dir gesprochen hat, hältst Du das für ein gutes Zeichen: Er scheint von Deinen Fähigkeiten überzeugt, sonst hätte er Dir diese Aufgaben nicht gestellt! Du zeigst also vollen Einsatz, weil Du Dich kurz vor dem Ziel glaubst. Du kniest Dich rein, machst Dich unersetzbar, bist bestens informiert, versuchst, alles unter einen Hut zu bringen, setzt andere Prioritäten als bisher und fühlst Dich voll in Deinem Element auf der Zielgeraden. Dabei ist Dir keine Hürde zu hoch, keine Anstrengung zu groß. Du fokussierst Dich voll auf die wichtigsten Aufgaben in dieser vermeintlich entscheidenden Etappe – vernachlässigst Familie und Freunde, verzichtest auf Freizeit, achtest nicht auf Deine Gesundheit, glaubst Dich im Flow.
  • Chef und Kollegen fangen an, Deinen Einsatz als „besonders hoch“ einzuschätzen. Damit meinen sie aber etwas anderes als Du glaubst. Zunächst wird festgestellt, das Du häufiger als früher bei sogenannten Kleinigkeiten versagst, Fehler machst, unaufmerksam oder vergesslich bist. Da man von Kleinigkeiten spricht, glaubst Du, das wäre nicht so schlimm. Das Gegenteil ist der Fall! Wenn Du schon bei den Kleinigkeiten versagst, wie soll denn das bei größeren Problemen aussehen? Du scheinst Dich für besser zu halten, als Du bist! Man muss Dir mal klar machen, dass Dein Verhalten sehr zu wünschen übrig lässt, weil Du die Leistungen der anderen ungenügend wertschätzt und Deiner Verantwortung nicht voll gerecht wirst. Denn Einsatz ist schließlich nicht alles, es kommt auf das Ergebnis an – auch in den „Kleinigkeiten“!
  • Jetzt kann Dein Chef Dir nur noch „Hilfe“ anbieten. Das ist jedoch keine Hilfe im Sinne einer Förderung und Vorbereitung auf den nächsten Entwicklungsschritt. Zunächst musst Du mal etwas kürzer treten, weil Du Dich ja offenbar überschätzt hast. Es kommt jetzt erst einmal darauf an, Deine Leistungen wieder zu stabilisieren (auf einem niedrigeren Niveau, damit Du nicht in den Burnout abrutschst). Danach wird man weitersehen, aber jetzt ist Deine Gesundheit erst mal das Wichtigste. Man möchte Dich nämlich nicht „verlieren“, Du sollst nicht ausfallen, Du wirst gebraucht und man weiß Dich als wertvolles Teammitglied zu schätzen – eine Karriere kommt aber im Moment nicht in Frage.
  • Und diese Einschätzung wird jetzt vor allem von Deinem Chef immer öfter auch vor anderen vertreten. Das „schützt“ Dich davor, dass andere Dir eine Weiterentwicklung zutrauen, vorschlagen oder Dich sogar dazu auffordern. Natürlich erfährst Du nicht direkt von diesen Zusammenhängen. Du spürst nur, dass das Interesse an Dir und Deiner Leistung nachlässt, dass Deine Beurteilungen kritischer ausfallen als angemessen und dass plötzlich andere Kollegen bessere Chancen zu haben scheinen als Du. Vielleicht zieht sogar jemand „an Dir vorbei“, dem Du das nicht zugetraut hättest …

Und wenn Du jetzt krank wirst, ist das kein Wunder – sondern für die anderen die Bestätigung, dass Du Dich überschätzt hast. Vielleicht bist Du sogar am Ende Deiner Leistungsfähigkeit angekommen?

Natürlich kennst Du ähnliche Vorgänge aus Deinem Umfeld.  Vielleicht hast Du selbst auch schon einmal gemeint, dass der eine oder die andere von Deinen Kollegen zu ehrgeizig war und sich selbst überschätzt hat. Dass dabei Bossing im Spiel war, ist Dir vielleicht gar nicht aufgefallen? Welche Führungskraft tut denn so etwas?

Bossing ist häufiger, als man denkt! Und es wird kaum darüber gesprochen – jedenfalls nicht offen und vor allem nicht mit den Betroffenen. Bestenfalls wird mal im vertrauten Kreis geklagt, wie unfair Führungskräfte untereinander im allgemeinen und der eigene Chef im Besonderen sind. Dann reagieren Freunde und Verwandte mit Ratschlägen, die wenig hilfreich sind oder sie versuchen, mitleidig und verständnisvoll zu trösten. Denn da kann man nichts machen! Am häufigsten ist der Rat, es auszuhalten oder doch einfach die Stelle zu wechseln.

Und mancher meint auch, das gehöre eben dazu: Wer selbst Führungskraft sein will, muss da durch. Schließlich sind die anderen doch Konkurrenten. Man steht eben im Wettbewerb um die Gunst der jeweils höheren Führungsebene! Und „da oben“ ist die Luft nun mal dünn und die Plätze sind rar. Man muss sich also seine Mannschaft entsprechend aussuchen und zusammenstellen – und man muss aufpassen, dass die eigene Position nicht gefährdet wird. Der Wettbewerb um die Karriere fühlt sich eben auch deshalb an wie ein Bad im Rasierklingen-Teich. Wer da Fairness erwartet, ist einfach naiv!

Ich bin überzeugt, dass dies eine falsche Vorstellung sowohl von Führungskräften als auch von Karriere ist.

Dennoch gibt es sie, die so genannten gläsernen Decken in der Führungshierarchie: die unsichtbaren Horizonte, über die man in der persönlichen Karriere nicht hinauskommt, ohne dass ein Grund dafür offensichtlich ist. Besonders Frauen in Führungspositionen bekommen das zu spüren, wenn sie sich über das ihnen zugedachte Maß hinaus entwickeln möchten. Wie oft verbirgt sich dahinter eine ganz konkrete Person, nämlich der eigene Chef? Der natürlich niemals zugeben würde, dass er das entscheidende Karrierehindernis ist! Der sich gut mit begründeten Zweifeln herausreden kann. Der auch leicht vorgeben kann, Frau hätte ihre Entwicklungswünsche nicht deutlich genug erkennen lassen. Oder der andere Kandidaten für geeigneter hält und diese bewusst nach anderen Kriterien (besser) beurteilt. Und der plötzlich in der Lage ist, Empfehlungen auszusprechen oder gar eine neue Führungsposition zu etablieren – für jemand anderen!

Um es ganz deutlich zu sagen: Keine Führungskraft ist verpflichtet, für andere eine Wunschkarriere zu basteln. Wer sich entwickeln will, ist dafür zuallererst selbst verantwortlich! Wenn aber Führungskräfte die Entwicklung der ihnen anvertrauten Kolleginnen und Kollegen von vornherein auf ein bestimmtes Level begrenzen und damit limitieren, gleichzeitig  jedoch Druck ausüben und ständige Leistungssteigerungen fordern, dann ist das Verweigerung von Entwicklungsmöglichkeiten und somit Bossing. Dann ist es Zeit, sich zu wehren!

Und dazu suchst Du Dir am besten einen kompetenten Sparringspartner außerhalb des Arbeitsumfeldes. Ein persönlicher Coach, ohne Interessenkonflikte mit der Struktur Deines Arbeitgebers, kann Dir neue Blickwinkel und Möglichkeiten für den souveränen Umgang mit dieser Situation eröffnen. Du kannst Lösungen jenseits der Kündigung finden. Je früher Du reagierst, umso sicherer kannst Du auch peinliche Szenen vermeiden und Dir Anwaltskosten sparen. Und vor allem: Du musst selbst nicht zu unfairen Mitteln greifen! Wenn Du es genauer wissen möchtest, kannst Du mich gerne fragen. Nimm einfach Kontakt mit mir auf, um mehr zu erfahren. Ich melde mich bei Dir, so schnell es geht.

Einen guten Start in den Sommer wünsche ich Dir

Alles Gute, Karin Rasmussen

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